Nachts schlecht sehen beim Autofahren – warum Ihr Sehtest davon nichts weiß

„Tagsüber sehe ich hervorragend. Aber nachts auf der Landstraße bin ich unsicher geworden."
Diesen Satz hören wir bei Augenoptik & Goldschmiede Rappen fast täglich. Der ADAC hat ihn nachgezählt: Über 90 Prozent der Autofahrer in Deutschland fühlen sich von entgegenkommenden Scheinwerfern geblendet, fast jeder Vierte fährt deshalb seltener bei Dunkelheit.
Wenn Sie nachts schlecht sehen beim Autofahren, obwohl Ihr letzter Sehtest einwandfrei war, ist das kein Widerspruch. Es ist die Folge davon, wie Sehen gemessen wird – und wie das Auge im Dunkeln arbeitet.
Kurz definiert: Schlechtes Nachtsehen beim Autofahren entsteht aus zwei Größen, die der übliche Sehtest nicht erfasst: dem Dämmerungssehen – dem Kontrastsehen bei geringer Leuchtdichte – und der Blendempfindlichkeit, dem Streulicht im Auge. Echte Nachtblindheit ist dagegen selten.
Ihr Sehtest misst Schärfe. Nachts zählt Kontrast.
Der klassische Sehtest prüft, wie klein ein schwarzes Zeichen auf weißem Grund sein darf, damit Sie es noch erkennen. Maximaler Kontrast, volle Beleuchtung. Diese Bedingungen gibt es nachts auf der B 253 nicht.
Eine Untersuchung im Nachtfahrsimulator hat das belegt: Die gewöhnliche Sehschärfe sagte nicht voraus, wie früh jemand nachts ein Hindernis erkennt – die Kontrastempfindlichkeit dagegen schon. Die Leitlinie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft zur Fahreignung formuliert es amtlich: Die alleinige Prüfung der Tagessehschärfe erlaube „keine annähernd sichere Beurteilung".
Für die Klasse B verlangt der Gesetzgeber eine Tagessehschärfe von 0,7 – einmal, bei der Ersterteilung. Ein Kontrast- oder Dämmerungssehtest ist nur für Lkw- und Busfahrer der Gruppe 2 vorgeschrieben. Die Sehleistung, auf die es nachts ankommt, hat bei den meisten Menschen also noch nie jemand angeschaut.
Ab Dämmerung übernehmen 92 Millionen Stäbchen
In der Netzhaut arbeiten zwei Rezeptortypen. Rund 4,6 Millionen Zapfen liefern Farbe und Schärfe, sie brauchen Licht. Rund 92 Millionen Stäbchen sehen auch bei minimaler Helligkeit – aber nur in Grauwerten und deutlich unschärfer.
Deshalb verschieben sich abends die Farben: Rot wird fast schwarz. Der rote Anorak eines Radfahrers verliert seinen Kontrast genau dann, wenn Sie ihn am dringendsten brauchen. Und die Stelle des schärfsten Sehens, die Fovea, ist völlig stäbchenfrei – dort, wohin Sie direkt blicken, sind Sie nachts am unempfindlichsten.
Dazu kommt die Adaptation: Ihre Augen brauchen viele Minuten, um sich an Dunkelheit zu gewöhnen – ein einziger Blick in entgegenkommende Scheinwerfer macht das zunichte.
Die Pupillenweite ist der eigentliche Grund
Bei Tageslicht ist Ihre Pupille zwei bis vier Millimeter weit. Nachts öffnet sie sich auf vier bis acht Millimeter. Was ein Brillenglas bei drei Millimetern Pupille leistet, sagt nichts darüber, was es bei sechs leistet.
Denn mit jeder Verdopplung des Pupillendurchmessers steigen die optischen Abbildungsfehler höherer Ordnung um das Vier- bis Fünffache. Das Licht fällt jetzt auch durch die Randbereiche Ihres Auges und Ihres Brillenglases – Zonen, die tagsüber gar nicht benutzt werden. Fehler, die bei drei Millimetern keine Rolle spielen, werden bei sechs Millimetern sichtbar: Lichtpunkte bekommen Schweife, Straßenlaternen Höfe – sogenannte Halos –, Konturen weiche Ränder.
Und sie verändert sich mit den Jahren: Im Dunkeln nimmt der Durchmesser pro Lebensjahrzehnt um etwa vier Zehntel Millimeter ab. Deshalb fällt der Unterschied zwischen 30 und 55 Jahren tagsüber niemandem auf und nachts jedem.
Genau hier setzen wir an. Mit dem Rodenstock DNEye® Scanner messen wir, wie weit sich Ihre Pupille öffnet, und erfassen die Abbildungsfehler höherer Ordnung Ihres Auges. Beide Werte fließen in die Berechnung Ihrer Gläser ein – auch in die Randbereiche, die erst nachts zum Einsatz kommen.

Drei Ursachen – und nur eine heißt wirklich Nachtblindheit
Echte Nachtblindheit (Retinitis pigmentosa) ist eine seltene erbliche Netzhauterkrankung. Sie erklärt fast nie, was Sie auf der Landstraße erleben.
Nachtkurzsichtigkeit gilt oft als Hauptursache. Die aktuelle Forschung sieht das nüchterner: Nur ein kleiner Teil der Untersuchten zeigt überhaupt eine messbare Verschiebung, und dann meist unter einer halben Dioptrie.
Erhöhte Blendempfindlichkeit ist der häufigste Grund. Schon eine minimale Eintrübung der Augenlinse streut das Licht der Gegenscheinwerfer im Auge und legt einen Schleier über das Bild. Dieser Prozess beginnt früher, als die meisten denken: Messbar mehr Licht braucht das Auge bereits ab Mitte dreißig – lange bevor jemand auf die Idee kommt, es könnte an den Augen liegen. Dazu kommt die Erholzeit nach einer Blendung. Im Nachtfahrsimulator verzögerte Scheinwerferblendung das Erkennen eines Fußgängers bei jüngeren Fahrern um 0,3 Sekunden, bei älteren um 1,5. Schon 0,3 Sekunden sind bei 80 km/h knapp sieben Meter.
Nachtfahrbrillen mit gelben Gläsern: Wir raten davon ab
Wir führen keine. Der Grund steht in Studien, nicht in unserer Preisliste.
Eine Untersuchung der Universitäts-Augenklinik Tübingen kam zu einem klaren Ergebnis: „Mit den getönten Brillengläsern ließ sich weder die Dämmerungsschärfe noch die Blendempfindlichkeit verbessern. Oft verschlechterten die Spezialbrillen sogar die Sicht." Eine neuere Studie im Fachjournal JAMA Ophthalmology prüfte gelbe Nachtfahrbrillen im Simulator: Fußgänger wurden nicht früher erkannt, die Blendung nicht gemildert.
Die Physik ist unbestechlich: Eine kräftige Gelbtönung nimmt Licht weg. Wo dem Auge Licht fehlt, kann das nicht die Lösung sein.
Was hilft, wenn Sie nachts schlecht sehen beim Autofahren
Eine Korrektion, die für Ihre Nachtpupille gerechnet ist. Das ist der größte Hebel. Gleitsichtgläser fertigen wir in 1/100-Dioptrien-Schritten. Die Abweichungen, die tagsüber unter der Nachweisgrenze liegen, sind nachts die, die stören.
Die Rodenstock Road Gläser. Rodenstock hat dafür eine eigene Kollektion entwickelt, die auf genau dieser Messung aufbaut. Drei Bausteine greifen ineinander:
Das Road Design legt die Sehbereiche des Gleitsichtglases so an, dass schnelle Blickwechsel – Straße, Spiegel, Tacho, Straße – ohne Suchen funktionieren.
Die pupillenoptimierte Korrektion rechnet die mit dem DNEye® Scanner erfassten Abbildungsfehler bei weiter Pupille heraus. Das ist der Teil, der nachts den Unterschied macht.
Die Beschichtung Solitaire® Protect Road 2 kombiniert eine Premium-Entspiegelung mit einer sehr leichten Filtertönung von rund zwölf Prozent. Sie dämpft Reflexe von Xenon- und LED-Scheinwerfern und von nasser Fahrbahn. Wichtig für die Einordnung: Das ist etwas anderes als eine kräftig gelb getönte Nachtfahrbrille. Die Wirkung liegt in der Entspiegelung und in der Rechnung des Glases, nicht in der Tönung. Der TÜV Rheinland hat die Kollektion geprüft – Sehfelder, Blendung bei Tag und Nacht, Kontrast, Farbwiedergabe – und kam auf eine Anwenderakzeptanz von 1,7.

Eine intakte Entspiegelung. Unbeschichtetes Glas reflektiert an jeder Fläche rund vier Prozent des Lichts – als Geisterbild eines Scheinwerfers auf der Glasrückfläche. Und Entspiegelungen altern: Eine vier Jahre alte, zerkratzte Schicht leistet nicht mehr, was sie am ersten Tag geleistet hat.
Ein stabiler Tränenfilm. Das Gebläse trocknet die Augen aus, und beim konzentrierten Fahren blinzeln Sie seltener – ein instabiler Tränenfilm kostet nachweislich Kontrast. Richten Sie die Düsen an die Scheibe statt ins Gesicht. Von allem hier wirkt dieser Handgriff am schnellsten.
Die Scheibe von innen putzen. Dort bildet sich ein feiner Film aus Ausdünstungen des Armaturenbretts: tagsüber unsichtbar, nachts der stärkste Blendverstärker im Auto.
Den Blick am rechten Fahrbahnrand führen, wenn Ihnen jemand entgegenkommt. So bleibt die empfindlichste Stelle Ihrer Netzhaut von der direkten Blendung verschont.

Kellerwald, Edersee, B 253 – Straßen ohne Laternen
Die Straßen rund um Bad Wildungen und in ganz Waldeck-Frankenberg sind größtenteils unbeleuchtet. Wer abends aus Kassel zurückkommt, durch den Kellerwald fährt oder am Edersee entlang, erlebt genau das, was das Auge am meisten fordert: kontrastarme Kurven, wechselndes Gegenlicht, Wildwechsel in der Dämmerung. Bei Dunkelheit passiert nicht einmal jeder fünfte Unfall mit Personenschaden – aber jeder vierte Schwerstfall.
Am 25. Oktober endet die Sommerzeit. Ab dann fällt der Feierabendverkehr wieder in die Dämmerung. Bis dahin bleibt Zeit für eine Messung – und für Gläser, die dann schon fertig sind.
Unser Fach ist die Optik. Das Auge selbst ist Sache des Arztes.
Unser Fach ist alles Optische: messen, korrigieren, das Glas berechnen lassen, das zu Ihren Augen und Ihren Nachtstrecken passt. Das machen Augenoptikermeister in diesem Haus seit drei Generationen.
Untersuchung und Behandlung des Auges gehören zum Augenarzt. Fällt uns bei der Sehanalyse etwas auf, das dorthin gehört, sprechen wir es an und sagen Ihnen, warum. Einen Termin sollten Sie in jedem Fall machen, wenn die Blendempfindlichkeit plötzlich auftritt, wenn Halos, Schleier oder Lichtblitze dazukommen, wenn Sie Diabetes haben oder ein Grauer oder Grüner Star bekannt ist.
Häufige Fragen
Wie finden Sie heraus, woran es bei mir liegt?
Über die Premium-Sehanalyse. Wir bestimmen Ihre aktuellen Werte, messen mit dem Rodenstock DNEye® Scanner Pupillenweite und Abbildungsfehler höherer Ordnung und sehen uns Ihre jetzige Brille an – Glasqualität, Entspiegelung, Fassungssitz.
Wie lange dauert das, und ist ein Termin nötig?
Rechnen Sie mit 45 bis 60 Minuten. Ein Termin ist sinnvoll, damit die Zeit ohne Unterbrechung zur Verfügung steht; ein Anruf genügt. Gemessen wird ausschließlich von Augenoptikermeistern.
Ab welchem Alter sollten Sie das machen lassen?
Ab etwa 40, danach alle zwei Jahre – und früher, wenn Sie selbst bemerken, dass Nachtfahrten anstrengender geworden sind.
Darf ich mit eingeschränktem Dämmerungssehen Auto fahren?
Für die Klasse B gibt es dafür keinen gesetzlichen Grenzwert. Ein Dämmerungssehtest – fachlich Nyktometrie oder Mesoptometrie – ist nur für Lkw- und Busfahrer der Gruppe 2 vorgeschrieben und wird beim Augenarzt oder in einer Begutachtungsstelle durchgeführt.
Brauche ich eine eigene Brille fürs Autofahren?
Nicht jeder. Für viele reicht eine aktuelle, pupillenoptimierte Korrektion mit intakter Entspiegelung. Eine zweite Brille – etwa aus der Rodenstock Road Kollektion – lohnt sich vor allem bei Gleitsicht und regelmäßigen langen Nachtstrecken.
Ihr Nachtsehen hat eine optische Ursache. Die lässt sich rechnen.
Unsicherheit bei Nacht ist keine Frage von Gewöhnung oder Tagesform. Ein großer Teil davon ist Optik – und Optik lässt sich messen und verbessern.
Ob Sie in Bad Wildungen zu Hause sind, aus Fritzlar, Edertal, Korbach oder Frankenberg kommen, sonst irgendwo in Waldeck-Frankenberg wohnen oder zur Kur nach Nordhessen gereist sind: Rufen Sie uns an unter 05621 / 969 172 oder kommen Sie in der Brunnenstraße 54 vorbei.
Ihre Augen leisten nachts ihre schwerste Arbeit. Es lohnt sich zu wissen, wie gut sie das können.
Termin vereinbaren
Für die Premium-Sehanalyse planen wir 45 bis 60 Minuten ein – gemessen wird ausschließlich von Augenoptikermeistern.
Augenoptik & Goldschmiede Rappen · Brunnenstraße 54 · 34537 Bad Wildungen · Telefon 05621 / 969 172
Mo, Di, Do, Fr 10–18 Uhr · Sa 10–13 Uhr



















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